Dass Flaschenpostbriefe manchmal nicht ankommen, liegt meiner Meinung nach daran, dass sie kostenlos sind. Da gibt es eben keine Garantie. Ein normaler Brief kommt immer an, weil er etwas kostet. Natürlich muß die Adresse stimmen. Stell dir vor, wenn ich auf einen Brief schreiben würde: Meeresforscher Klaus Maywald, Indischer Ozean. Da würden die Briefträger Augen machen. Nicht mal eine Postleitzahl hast du. (...) Es wäre auch schön, wenn du einmal antworten würdest oder wenn du anrufen könntest. Dann wüsste ich, wie es dir geht. Aber Mama sagt, ihr habt auf dem Boot kein Telefon, sondern nur ein Sprechfunkgerät. Damit könnt ihr nur mit anderen Schiffen sprechen. Und wenn ich auch ein Sprechfunkgerät hätte? Ich werde mal den Herrn Janssen fragen. Der müßte ja eins haben als Seemann, auch wenn er nur Fischer ist und kein Meeresforscher wie du. Mitten auf dem Meer gibt es keine Telefonzellen, das ist leider die Wahrheit. Siehst du, noch etwas, das man mal erfinden müßte. Die Seeleute würden sich freuen, vor allem die Schiffbrüchigen, die auf dem Meer treiben.
(aus: Flaschenpost für Papa)

Er hörte nicht mehr, wie die Mutter das Zimmer verließ und die Tür schloss. Er lächelte im Schlaf. Er fuhr auf ei­nem schaukeln­den Boot, blau mit einem gelben Segel. Ringsum Wellen und Wellen. Bis zum Horizont. Er fuhr in ein anderes Land, das nur ihm allein gehörte. Er war der Kapitän, und alles war da: die Möwen über seinem Kopf, die Wolken. Und das Meer, das sin­gende Meer.
(aus: "Was ist ein Traum?", fragte Jonas)

Wahrscheinlich erinnern sich alle noch sehr gut daran, wie das Märchen ausging: Der Königs­sohn war zum Glück so un­geschickt, dass er den Sarg fallen ließ und Schnee­wittchen das vergiftete Apfelstückchen aus dem Hals sprang. Sie wurde dadurch wieder lebendig, und das war gut so. Denn ein totes Schneewittchen hätte der Prinz vermutlich nicht geheiratet. Dafür starb die böse Königin, wofür auch der Spiegel ziemlich dankbar war. Er hatte diese ewig gleichen Fragen satt, wie man sich vorstellen kann. Happy end also. Auch für die Zwerge? Nein! Für die Zwerge gingen die Probleme erst richtig los.
(aus: Das Neueste von den sieben Zwergen)

Nach einem Sommer

Plötzlich warst du fort, und ich
hatte das Gewicht des Himmels zu tragen

Stumm ging ich
über die Felder, umhergeworfen
wie Haar und tagelang
bis der Regen begann

Mit der Katze zog ich
den Blicken der Wolken davon
ins Haus

Gesenkten Kopfes vor den tiefen
Balken der Türen geh ich
durch schlafende Zimmer, den Wind im Ohr
(aus: Ausordnen)

Ende einer Reise

Ich sah noch dein kleid
am strand (zufälliges objekt
des versuchs einer enthüllung)

wie es das meer aufsog
bis auf einen kargen rest

Wer zieht es an
wer wird darin ertrinken
(aus: Was immer uns trägt)

(...)
Ganz anders und völlig pflegeleicht waren die Irgendwasse. Sie waren äußerst genügsam und praktisch mit allem zufrieden.
Ein typisches Gespräch in einem Restaurant zwischen einem Irgendwas und einem Kellner sah ungefähr so aus:
"Guten Tag, mein Herr. Haben Sie schon gewählt?"
"Ja. Bitte bringen Sie mir irgendwas. Und als Beilage irgendwas."
"Möchten Sie auch ein Dessert?"
"Gute Idee. Ich nehme... hm, lassen Sie mich überlegen... irgendwas."
"Und was wollen Sie trinken?"
"Irgendwas, bitte."
"Sehr wohl, der Herr. Eine gute Wahl."
Der Kellner eilte davon und rief in die Küche: "Einmal irgendwas. Aber schnell, bitte."
Diese Irgendwasse waren ziemlich beliebt, weil sie niemals Ärger machten und immer höflich waren. Und, wie schon gesagt, sie aßen, was auf den Tisch kam. Ohne herumzumeckern. Obendrein sahen sie auch noch blendend aus, so dass sie das Interesse vieler Erdfrauen erregten. So kam es schon in den ersten Tagen zu zahlreichen Verlobungen. Denn wenn eine junge Erdfrau einen Irgendwas fragte: "Was wollen wir zusammen unternehmen?", sagte dieser natürlich: "Irgendwas." Dann konnte sie wählen zwischen Eisessen, Kinobesuch, Bowling oder Heiraten.
Thelonius Kaiser, der Vorsitzende des Organisationskomitees der Fußballmeisterschaft, hatte nicht annähernd so viel Spaß wie diese jungen Frauen. Es waren nicht nur die Probleme mit den Matratzenessern, die ihm zu schaffen machten. Fast noch schlimmer war die Tatsache, dass sich die verschiedenen Mannschaften nicht auf gemeinsame Regeln einigen konnten.
(...)
(aus: )

gratis Counter by GOWEB